Der Marsianer

Zusammenfassung

symbol_moviesthe-martian-posterDer Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir, der sich durch hohe Realitätsnähe und wissenschaftlicher Fundiertheit auszeichnet.
Während der 3. Marsmission der NASA wird der Astronaut Mark Watney vom Rest der Mannschaft getrennt, die von dessen Tod ausgehen muß & ihn zurückläßt, als sie die Missio vorzeitig abbricht und den Rückflug antritt. Als einziger Mensch auf dem ungastlichen Planeten ist es an ihm & seinem Erfindungsreichtum, am Leben zu bleiben, bis die erhoffte Rettung eintritt. Vermutlich mit der nächsten planmäßigen Marsmission ungefähr vier Jahre später.

Trotz seiner Schwächen gestehe ich dem Film solide 4 Sterne zu. Im Vergleich zum Buch gibt es wesentlich weniger technische Details und wissenschaftliche Finessen, außerdem wurde die Erzählung abgespeckt, aber das ist wohl dem zeitlichen Rahmen und der Notwendigkeit, unterhaltsam zu sein, geschuldet.
Wenn man sich mit (realistischer) Science Fiction anfreunden kann, sollte man den Film definitiv sehen; er besticht visuell, ist unterhaltsam und in fast jeder Hinsicht solide präsentiert.

4 von 5 Sternen

4 von 5 Sternen

 

Hintergrund

Andy_Weir_at_NASA_JSC-crop

Quelle: en.wikipedia.org

Andy Weir ist der Autor der Buchvorlage. Er wurde in Kalifornien geboren, ist der einzige Sohn eines Beschleunigungsphysikers und einer Elektroingenieurin & ein Scheidungskind. Weir wuchs mit den Werken von Arthur C. Clarke und Isaac Asimov auf; im Alter von 15 Jahren begann er, für die Sandia National Laboratories als Programmierer zu arbeiten.
Er studierte Computerwissenschaften, brach das Studium jedoch ab; er arbeitete unter anderem für AOL, Palm und Blizzard.
Weir begann schon in seinen frühen 20ern mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, die er auf seiner Internetzseite veröffentlichte, wirklich bekannt wurde er allerdings erst durch den Roman The Martian.
Derzeit arbeit er an seinem zweiten Roman (Zhek), der mit Außerirdischen, Telepathie und Überlichtgeschwindigkeitsreisen zu den klassischeren Science Fiction-Romanen zählen wird.

Ridley_Scott_by_Gage_Skidmore

Quelle: en.wikipedia.org (© Gage_Skidmore)

Ridley Scott, der Regisseur der Verfilmung, dürfte den meisten hierzulande ein Begriff sein, spätestens wenn man andere seiner Filme erwähnt, wie zum Beispiel Alien, Bladerunner, Black Hawk Down oder Gladiator.
Scott ist für seinen atmosphärischen, hochkonzentrierten visuellen Stil bekannt; er erhielt für seine Regie 3 Acadamy Awards, den BAFTA Preis für seinen herausragenden (britischen) Beitrag zum Kino. Ferner wurde er von Königin Elizabeth II im Buckingham Palast für seine „Dienste für die Britische Filmindustrie” zum Ritter geschlagen und erhielt einen Ehrendoktortitel von der Londoner Royal College of Art.
Scotts Werke zeichnen sich häufig durch wiederkehrende Themen auf, wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz, extreme Beleuchtungsstile, starke weibliche Charaktere und Vater-Sohn-Problematiken (in denen nicht selten der Sohn den Vater tötet oder zumindest dessen Tod miterlebt).

Matt Damon

Matt Damon (Quelle: Interstellar)

Der Hauptdarsteller des Films ist ebenfalls kein Unbekannter: Matt Damon, den man aus der Verfilmung der Bourne-Serie, aus Syriana und Interstellar (wo er eine in Alufolie gewickelte Ofenkartoffel spielen durfte (siehe Bild)) kennen dürfte.
Im Film Der Marsianer spielt er seine Rolle überzeugend und weiß seine Gestik & Mimik ebenso subtil wie wirksam einzusetzen.

Weirs Debütroman The Martian wurde von The Wall Street Journal als „die beste Rein-Science Fiction der letzten Jahre” bezeichnet und stieg, als es (leicht verändert im Vergleich zu der elektronischen Ausgabe) in den Druck ging, auf der Liste der meistgekauften Bücher der New York Times auf Platz 12 ein.

 

Inhalt

Nachdem die Astronauten der ersten Marsmission als Helden gefeiert wurden, die der zweiten wohlwollend die Hand geschüttelt bekamen und man davon ausgehen durfte, daß die Astronauten der dritten Mission mit mäßigem Interesse auf der Erde zurückgeheißen werden, wird ebendiese dritte Mission durch einen unglücklichen Unfall nun doch zu einem medienwirksamen Ereignis, als einer der Astronauten nach dessen vermeintlichem Tod notgedrungen auf dem Mars zurückgelassen werden muß.
Mark Watney kommt zu sich, als sein Raumanzug wegen kritischer Sauerstoffwerte Alarm schlägt. Er liegt halb unter Sand begraben auf dem Mars, in seinem Torso steckt die Spitze einer abgebrochenen Antenne und die restliche Mannschaft der Marsmission hat wegen eines Sturms vorzeitig den Heimweg angetreten und ihn zurückgelassen. Er ist der einzige lebende Mensch auf dem Mars, kann getrost davon ausgehen, daß man ihn für tot hält und muß sich nun entscheiden, ob und wie er um sein eigenes Überleben kämpfen wird.

Glücklicherweise ging die NASA bei den Vorbereitungen davon aus, daß die Mission deutlich länger dauern würde, also hat Watney einen Vorrat an Essen, der für sechs Personen ausgelegt war und ihn für eine Weile am Leben halten sollte. Die Prognose sieht dennoch nicht übermäßig rosig aus, weil das Essen nicht reicht, um nicht bis zur nächsten planmäßigen Marsmission zu überleben, doch glücklicherweise ist er Botaniker und beginnt, den Mars innerhalb seiner kleinen Station urbar zu machen und Kartoffeln zu ziehen.

Nachdem man auf der Erde sich mit dem vermeintlichen Tod Watneys „abgefunden” hat und dazu übergegangen ist, die nächsten Marsmissionen vorzubereiten, entdecken Mitarbeiter auf den Satellittenbilder vom Mars Unregelmäßigkeiten fest, die darauf schließen lassen, daß Watney noch lebt. Diese Neuigkeit schlägt ein wie eine Bombe und die NASA überlegt, wie sie Watney retten kann, bevor er erstickt, verdurstet, verhungert oder durch einen Unfall stirbt.
Daß der Mars einen gewissen Abstand zur Erde hat, vereinfacht die Situation nicht übermäßig und der Versuch, eilig eine Sonde mit Lebensmitteln auf den Mars zu schicken, schlägt fehl. Immerhin schaffen es Watney und NASA, sich über einen ferngesteuerten Photoapparat und auf Hexadezimalen basierenden Code zu verständigen und sich gegenseitig mit Informationen zu füttern.

Die Mannschaft der heimfliegenden Ares-3-Mission erfährt erst recht spät vom Überleben Watneys und entschließt sich entgegen anderslautender Anweisungen und trotz Treibstoffmangels die Erde ohne Zwischenhalt zu umkreisen und mit Hilfe der Erdanziehung und der Zentrifugalkraft zurück zum Mars zu fliegen, um ihren Kollegen, Kameraden und Freund einzusammeln.

 

Stärken

Wie ich oben schon geschrieben hatte, ist der Film recht unterhaltsam. Das verbuche ich unter Stärken, auch wenn inhaltlich einige Abstriche gegenüber der Buchvorlage gemacht wurden. (Was sich wie in den meisten Fällen wohl nicht vermeiden läßt.) Und es wurde auf eine gemütlichere Erzählgeschwindigkeit verzichtet, mit der das Publikum einen Eindruck von Einsamkeit und des Verlorenseins hätte gewinnen können.

Eine weitere Stärke ist die beeindruckende visuelle Präsentation, sei es von der Marslandschaft oder seien es die Details der Raumschiffe und -teile.
[Derlei visuelle Höhenflüge sind allerdings vom Regisseur nicht anders zu erwarten gewesen, behaupte ich.]

Und zu guter Letzt muß natürlich auch die (relative) Realismusnähe gelobt werden, auch wenn sich die Filmemacher schlußendlich doch einige Freiheiten herausnahmen, sei es aus Gründen der Unterhaltung, Dramaturgie oder des Zeitmangels.

 

Schwächen

Die erste Schwäche, die deutlich hervorsticht, ist daß es für den Protagonisten oder der Film selbst zu leicht ist. Damit beziehe ich mich auf die Tatsache, daß die meisten Menschen mit Einsamkeit nicht klarkommen und der Protagonist keinerlei Probleme damit zu haben scheint. Sicher, dieser Kampf um das Überleben verlangt eine fleißige und konsequente Arbeit, was durchaus über die Isolation hinweghelfen kann, aber das ist gewiß nicht genug, um diese Problematik völlig außer acht zu lassen.
Selbstverständlich sind Einsamkeit & Verzweiflung nicht die Hauptthemen des Films (und dieser hat nur eine begrenzte Spielzeit), sie allerdings gänzlich unter den Tisch fallen zu lassen, hätte nicht sein müssen.
(Danke für den Hinweis, CE.)

Die nächste deutliche Schwäche ist der portraitierte Chauvinismus und das Gutmenschentum. Ich möchte keineswegs in Frage stellen, daß Raumfahrbehörden und Astronauten skrupellos Menschenleben wegwerfen oder ignorieren, aber es stößt unangenehm auf, wenn die Charaktere selbstherrlich Risiken eingehen oder Anweisungen ignorieren, denn „natürlich riskieren wir unseren eigenen Tod und anschließend ein (Kriegs)-Gerichtsverfahren (ohne Rücksicht auf unsere eigene Familie), um einen anderen Menschen zu retten.” Es reicht nicht, einen Menschen in Not einfach nur zu retten (das ist verständlich & nachvollziehbar), wir müssen dazu unsere schillerndste Ritterrüstung anziehen und mit Fanfare ausreiten.
Wobei ich nicht ausschließen kann, daß ich in dieser Hinsicht generell überempfindlich reagiere. 😉

Und der letzte Kritikpunkt ist meiner Meinung nach die Erzählgeschwindigkeit. Sicherlich ist es nicht mehr zeitgemäß, Längen in Form von handlungstechnischen „Durststrecken” in einen Film einzubauen, doch bin ich der Meinung, daß sie nicht immer überflüssig sind. Die Ereignisse in Der Marsianer folgen Schlag auf Schlag und der Zuschauer erhält wenig Zeit, Informationen zu verdauen und in sich hineinzuhorchen.
Als gutes und gelungenes Gegenbeispiel sei 2001: A Space Oddysey von Stanley Kubrick genannt. Dieser Film hat etliche Längen, die jedoch für diese eigentümliche Atmosphäre & Stimmung jedoch unerläßlich sind, finde ich.
Da Der Marsianer unter dem Strich eine Neuinterpretation von Robinson Crusoe ist, wären diese Längen meiner Meinung nach angebracht gewesen, denn es geht um das Überleben, um den Kampf gegen die Natur.

Daß man hin und wieder Raumschifftriebwerke im Weltall zu hören bekommt, ist ein üblicher und derart weitverbreiteter Fehler in Filmen, daß ich das nicht weiter bemängeln möchte. Dieses sprichwörtliche Pferd ist schon lange tot & verwest, darauf möchte ich nicht noch einprügeln, wenn es sich vermeiden läßt. 😉
Vermutlich ist es eine dramaturgische Entscheidung, Geräusche im Weltraum zu erlauben, aber der Film Gravity (als lobenswertes Gegenbeispiel) ist recht gut ohne das ausgekommen.

 

Fazit

Vermutlich waren meine Erwartungen zu hoch, nachdem ich die verschiedenen Besprechungen über den Film gehört habe und zur Kenntnis nahm, daß Ridley Scott für die Regie verantwortlich war.
Sicherlich ist es dramaturgisch sinnvoll, den Film möglichst rasant & unterhaltsam zu erzählen, jedoch ist dies meiner Meinung nach die falsche Erzählart, denn es geht nicht um eine wichtige Botschaft oder Erkenntnis, die der Film vermitteln will, sondern um das Darstellen des Überlebens.
Der Film ist unterhaltsam, visuell beeindruckend und kurzweilig; er ist sehr sehenswert, aber man hat nichts Wichtiges verpaßt, wenn man an dem Film vorbeigeht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.