Card: Speaker for the Dead

Zusammenfassung

symbol_bookscard - speaker for the dead (mini)Knapp 3.000 Jahre nach der Auslöschung der insektoiden Außerirdischen in Ender’s Game trifft die Menschheit auf eine andere Art Außerirdische, die ihnen allerdings technisch weit unterlegen sind und daher von den menschlichen Kolonisten erforscht werden. Als die Forscher bestialisch getötet werden, wird der Ruf nach einem sogenannten Sprecher für die Toten laut und Andrew Wiggin, der erste Sprecher, folgt dem Ruf.

Nach Ender’s Game ist es verständlicherweise schwierig, einen angemessenen Nachfolger zu präsentieren. Speaker for the Dead erfüllte meine Erwartungen & Ansprüche nur spärlich und ist eher eine Fortsetzung der Erzählung als ein ebenbürtiges Werk.

3 von 5 Sternen

3 von 5 Sternen

Hintergrund

Quelle: de.wikipedia.org

Quelle: de.wikipedia.org

Der Autor, Orson Scott Card, hatte dank seiner Werke zahlreiche Preise verliehen bekommen, dabei war Enders Spiel (Ender’s Game) sein Schlüssel zu Bekanntheit und Anerkennung: mit dieser Geschichte wurde er sowohl mit dem Nebula– und den Hugo-Preis (die bedeutendsten Ehrungen im Bereich der Science Fiction-Literatur) ausgezeichnet. Mit dem Nachfolgeroman Sprecher für die Toten (Speaker for the Dead) wurde er erneut mit den beiden Preisen prämiert.
Card hat mormonische Wurzeln und engagiert sich politisch, wobei er sich selbst als Demokraten bezeichnet, allerdings mit seinen rechts-konservativen Ansichten, seinen homophoben und antiliberalen Äußerungen häufig aneckt.

 

Inhalt

Nachdem die Menschheit die Bedrohung durch insektoide Außerirdische vermeintlich ein für alle Mal abgewendet hat, hat es dreitausend Jahre gedauert, bis sie beim Kolonisieren des Planeten Lusitania auf eine Rasse intelligenten Lebens stoßen. Es dauert einen Moment, bis den Kolonisten klarwird, daß die als Schweinchen bezeichneten Lebewesen intelligent genug sind, um den Menschen ebenbürtig zu sein, auch wenn sie noch einen vergleichsweise primitiven Technikstand haben.
Es wird ein Edikt erlassen, das den Kolonisten untersagt, in die Kultur der porquinhos einzugreifen und nur vereinzelte Xenologen dürfen Kontakt mit den Außerirdischen haben, aber nur solange sie deren Kultur nicht beeinflussen und Informationen über die Menschen und deren Technik zu teilen.

Die Xenologen haben selbstverständlich Schwierigkeiten, viele Aspekte und Errungenschaften der Menschheit geheimzuhalten, denn eine unbedachte Äußerung hilft den hochintelligenten und wißbegierigen porquinhos, Rückschlüsse auf ihre neuen Nachbarn zu gewinnen. Es dauert selbstverständlich nicht lange, bis einer der Xenologen der Kultur der porquinhos näherkommt, als gut für ihn wäre und diese ihn bestialisch abschlachten.
Die Kolonisten sind verständlicherweise aufgebracht und unschlüssig, die übriggebliebenen Xenologen weigern sich allerdings, den Kontakt komplett abzubrechen und ihre Mission aufzugeben. Ein Mitglied der Kolonie schickt eine Anfrage nach einem Sprecher für die Toten raus, was jedoch auf recht wenig Gegenliebe in der katholischen Gemeinde trifft.

Nachdem Andrew „Ender” Wiggins dreitausend Jahre zuvor für die Vernichtung der vermeintlich einzigen anderen intelligenten Spezies im Universum verantwortlich war, widmete er sich den Toten und spricht für sie. So wird er der erste Sprecher für die Toten und seine erste Ansprache ist für die Spezies, die er ausrottete.
Gemeinsam mit seiner Schwester reiste er von Planeten zu Planeten, von Sonnensystem zu Sonnensystem, um nicht als Ender wiedererkannt zu werden, um zu sühnen und wiedergutzumachen. Duch dieses beständige Reisen mit hohen Geschwindigkeiten vergeht für ihn die Zeit anders, und so erreicht ihn die Bitte von dem Planeten Lusitania und er entschließt sich, für den getöteten Xenologen eine Ansprache zu halten.
Er läßt seine Schwester zurück, wohlwissend, daß er sie dadurch verlieren wird und tritt die Reise an.

Kurz bevor Ender ankommt und landet, wird ein weiterer Xenologe bestialisch ermordet. Und selbstverständlich verbirgt sich hinter dem Mord mehr als das, was sich dem unbedarften Außenstehenden aufdrängt. Und Ender ist auch nicht ausschließlich gekommen, um für die Toten zu sprechen, sondern hat eigene Motive und Ziele, die sich bequemerweise mit der Bitte um einen Sprecher für die Toten überschneiden.

 

Stärken

O. S. Card hat es durchaus verstanden, viele „Mysterien” einzubauen (wobei ich den Großteil als vorhersehbar und zu offensichtlich empfand) und interessante zwischenmenschliche Beziehungsstränge zu flechten.

Die Außerirdischen sind menschenähnlich genug, um einen emotionalen Zugang zu ermöglichen, aber auch wiederum zu fremd, um sie zu verstehen. Die intelligente, neugierige Art, wie die porquinhos versuchen, die Menschen zu verstehen und aus den gewonnenen oder extrapolierten Eindrücken, ist ebenso faszinierend wie liebenswürdig aufbereitet.

Hochinteressant und lobenswert ist die Art, wie Card darauf eingeht, daß Kulturen, die mehr oder weniger nur nachbarschaftlich nebeneinander koexistieren, dazu neigen, einander zu befruchten. So finden die Sprachen der Menschen wie auch deren kulturelle Aspekte und Konzepte im Laufe des Romans immer mehr Einzug in die Kultur der porquinhos.

 

Schwächen

Es fehlten mir die philosophischen und psychologischen Ansätze, die in Ender’s Game zuhauf zu finden waren. Daß Religion und die Spannung zwischen unterschiedlichen Glaubensausrichtungen eingebunden waren, hat das nicht adäquat ausgleichen können.

Andrew ist nicht länger der ständig unter Leistungsdruck und Gefahr stehende Junge, was an und für sich alles andere als schlecht ist, aber aus ihm wurde ein wohlwollender, grundgütiger Heilsbringer, der jedes andere Lebewesen versteht und immer die richtigen Worte findet, um zu heilen und zu helfen. 😦
Kurzum, der Bogen vom effektiven wie auch effizienten Massenmörder zum fast überall willkommenen Seelenbalsam auf zwei Beinen ist nicht gänzlich nach meinem Geschmack.

Wenn ich mir vor Augen halte, wie Card die Fortpflanzung und die Kultur der sogenannten porquinhos präsentiert, habe ich Schwierigkeiten zu glauben, daß Card das Prinzip der Evolution verstanden hat und daß er kein Kreationist ist. Was beides aber angesichts seines religiösen Hintergrunds keine allzu große Überraschung wäre.
Auch wenn der präsentierte Lebenskreislauf der außerirdischen Lebensformen durchaus interessant ist, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß Card die Problematik von Monokulturen in der Landwirtschaft nicht begriffen hat. Und das bezieht sich selbstverständlich auch auf hochspezialisierte Lebewesen, die nur über minimale genetische Variationen verfügen.

 

Irgendwo dazwischen

Dieser Punkt ist weder eine eindeutige Stärke noch eine Schwäche, daher führe ich diesen ausgeklammert auf.
Auf der einen Seite finde ich es interessant, die Grundlagen der portugiesischen Sprache erklärt zu bekommen, aber das ist nur auf hypothetischer Basis, denn meine Ambitionen, Portugiesisch zu lernen, sind eher vernachlässigbar. Insofern sind diese Grundlagen i.a.n.: interessant, aber nutzlos. Hätte man die Sprache außen vorgelassen, obwohl diese Recherche und Aufklärung durchaus lobenswert ist, hätte der Roman nicht an Spannung verloren und die Geschichte wäre nicht anders verlaufen.
Und damit sind wir bei der unschönen Seite dieser Medaille: es ist überflüssige Information, es ist Augenwischerei. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Sprache nur eingebunden wurde, um von anderen Schwächen abzulenken. [Obwohl der Autor gewiß nicht von Schwachstellen ablenken, sondern vermutlich dem Buch mehr Tiefe geben wollte, aber das ist wohl nur eine Frage der Perspektive und Ausleuchtung.]

 

Fazit

Es ist mir klar, daß es schier unmöglich ist, als Autor nach einem solchen Goldfund wie Ender’s Game die unausweichlichen Erwartungen zu erfüllen und ein mindestens gleichwertiges Werk nachzureichen. Selbstverständlich habe ich daher versucht, meine Erwartungen nach unten zu korrigieren, dennoch hinterließ der zweite Teil einen faden Nachgeschmack. Speaker for the Dead ist nicht schlecht, aber auch nicht überragend gut, sondern schlicht und ergreifend passable Unterhaltung aus dem Genre Science Fiction.

 

Daten

Orson Scott Card: Speaker for the Dead
©1986, 1991 by O. S. Card; A Tor Book
~419 Seiten
eISBN 978-1-4299-6394-7

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