Heinlein: Starship Troopers

Zusammenfassung

heinlein - starship troopers (mini)symbol_booksDer Roman Starship Troopers spielt in der fernen Zukunft, in der die Menschheit mittlerweile andere Planeten besiedelt hat und kolonisiert. Die Menschheit ist mittlerweile auf mindestens zwei andere intelligente Spezies getroffen, mit einer davon – aggressive, intelligente Insektoide – befindet sie sich im Krieg. Um dem Feind Herr zu werden, schickt das Militär regelmäßig Einheiten der Mobilen Infantrie aus, um Planeten zurückzuerobern, statt sie zu zerstören.
Starship Troopers ist eine gelungene Mischung aus Science Fiction, Kriegsroman und ethischer Abhandlung, die zu unterhalten weiß. Selbstverständlich hat der Roman Ecken und Kanten, über die man sich klar sein sollte, aber den Vorwurf müssen sich wohl die meisten Werke gefallen lassen. 👍

4 von 5 Sternen

4 von 5 Sternen

 

Hintergrund

Robert Heinlein (*1907 †1988) war ein amerikanischer Schriftsteller, der für verschiedene seiner Werke mit insgesamt sechs Hugo-Preisen ausgezeichnet. Er mußte krankheitsbedingt eine vielversprechende Karriere bei der Marine ebenso abbrechen wie das Studium von Mathematik und Physik. Anschließend versuchte er erfolglos, Im Silberbergbau, in der Politik und im Immobilienhandel Fuß zu fassen.

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, als die „Verfilmung” von Starship Troopers hierzulande für ein wenig Aufruhr sorgte, nicht zuletzt weil der Film so manchem übel aufstieß, da dieser gewaltverherrlichend und faschistoid  wirkte und die Mäntel der militärischen Intelligenz unschöne Assoziationen weckte. Der Film basiert nur recht lose auf dem gleichnamigen Roman, ist daher genaugenommen auch keine Verfilmung per se.
Zwar gibt es im Roman viele Elemente, die einem aus dem Film bekannt vorkommen, doch es gibt zu viele Dinge, die anders verlaufen; verständlicherweise ist der Film wesentlich actionlastiger, dafür fehlen ihm zahlreiche Gedankenspiele, moralische und philosophische Denkanstöße.
Abschließend möchte ich zu dem Film noch anmerken, daß er eine Satire ist. Leider (oder zum Glück, je nachdem) kann jede Satire mißverstanden werden, so wie es in diesem Fall oftmals geschah. Aber die Reaktion eines jeden Zuschauers auf diesen Film sagt sehr viel über den Zuschauer aus, inklusive dessen geistigen wie auch charakterlichen Reife.

 

Inhalt

Juan Rico verläßt die Schule und tritt gegen den Wunsch seines Vaters dem Militär bei. Er versucht, Pilot oder Offizier der Forschung & Entwicklung zu werden, landet aber schlußendlich bei der Mobilen Infantrie. Die Grundausbildung ist selbstverständlich „die Hölle,” entpuppt sich allerdings recht flott als Institution, um verweichlichte Männer auszusortieren, die, wenn es hart auf hart kommt, doch kneifen.

Juan Rico wird von seiner Familie geschaßt, durchläuft mit ein, zwei Hürden seine Ausbildung und nimmt schlußendlich an zahlreichen Einsätzen teil, die ihn in verschiedene Bereiche der Galaxie führen, wo er an Terrorangriffen auf die Verbündeten der Käfer und wo er direkt gegen die Käfer kämpft. Durch das beständige Getötetwerden seiner Kameraden und Vorgesetzten steigt er in den Rängen auf und wächst schlußendlich in die Rolle eines Offiziers hinein.

 

Stärken

In die Handlung sind einige moralische und ethische Essays eingeflochten, die durchaus die eine oder andere Überlegung wert sind. Ähnlich, wie diese Essays und Ansichten in Ender’s Game, lohnt es sich meiner Meinung nach durchaus, diese wahrzunehmen und sich damit zu beschäftigen. Selbstverständlich kann man diese Gedankenspiele als Manipulationsversuche seitens der Autoren betrachten, doch sollte man sie kritisch zur Kenntnis nehmen und verdauen, statt sie rigoros abzulehnen.

Als ähnlich bemerkenswert betrachte ich die militärischen Aspekte, die in Starship Troopers präsentiert werden. Trotz des unschönen Bei- und Nachgeschmacks ein ebenso reizvolles wie auch abstoßendes Gedankenspiel (das bei der Verfilmung exzellent umgesetzt wurde (auch wenn das in dieser Form ganz gewiß nicht in Heinleins Interesse war)).

 

Schwächen

Der Vorwurf des erhobenen Zeigefingers ist meiner Meinung nach gerechtfertigt, gerade weil er die Demokratie, wie wir sie derzeit genießen, verurteilt und eine Militär-„Demokratie” propagiert. Das trifft auch auf die Präsentation vom Wert der Menschengruppen zu, aufgeteilt in Zivilisten und Soldaten.
Soldaten werden, weil sie freiwillig ihr Leben für das Allgemeinwohl auf das Spiel setzen, als bessere Menschen dargestellt, was auf eine eigene Art eine romantisierte Idealisierung dieses Berufsfelds ist.
Ebenso ist die Befürwortung von Gewalteinsatz, von endgültiger „Befriedung” und von assymmetrischer Kriegsführung & Zerstörung ziviler Infrastruktur zum politischen Manipulieren keine leichte Kost.

Obwohl Heinlein (mehr oder weniger) ein Zeitgenosse Albert Einsteins war und auch Physik studierte, wurde in dem Roman die Reiseproblematik (Reisedauer zwischen den Sternen, Zeitverzerrung durch Reisegeschwindigkeiten) außen vorgelassen. Das ist insofern verständlich, weil die Erzählung so sonst nicht funktionieren würde, ist aber dennoch ein Punkt, der vorsteht wie ein rostiger Nagel.

Eine weitere Schwäche, die man nicht von der Hand weisen kann, ist das idealisierte Verständnis des Militärs. Die Botschaft ist meiner Meinung nach deutlich, wenn Heinlein immer wieder unterstreicht, daß jeder Soldat zu jedem Zeitpunkt das Militär verlassen kann, also daß alle Soldaten immer freiwillig in der Armee sind, und daß das sie zu Gutmenschen Bessermenschen macht, weil sie sich für das Allgemeinwohl aufopfern. Ferner füllt jeder Soldat mehrere Arbeitsplätze aus, ist also nicht nur Soldat, sondern „nebenbei” zum Beispiel auch Lehrer, Haustechniker und Kfz-Mechaniker. Oder was auch immer anfällt.
Daraus folgt, daß sämtliche Soldaten sich nicht nur freiwillig aufopfern, sondern auch noch bereitwillig ihre gesamte Freizeit, ihr gesamtes Wesen dem Funktionieren & Allgemeinwohl der Gruppe widmen.
Kurzum, diese „indirekte” Lobhudelei auf das Militär hinterläßt so manches Mal einen seltsamen Nachgeschmack.

 

Fazit

Man kann nicht leugnen, daß Starship Troopers ein dem Militär sehr wohlwollend eingestellter Roman ist. Dieses Portrait eines militärischen Utopias enthält zahlreiche interessante Gedankenspiele und Aspekte, deren Durchdenken sich meiner Meinung nach lohnen, auch wenn (oder gerade weil) der faschistoide Beigeschmack von Heinleins Vision den Leser aus der Komfortzone holen kann.
Trotz alldem (oder gerade deswegen) definitiv lesenswert.

 

Daten

Robert A. Heinlein: Starship Troopers
© 1959, 1987 by Robert A. Heinlein, 2003 by the Robert A. & Virginia Heinlein Prize Trust
~227 Seiten
ISBN 9781101500422

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